Nachdem die Linux Installation auf einem Intel-basierten MacBook Pro so gut funktioniert hat, musste unbedingt ein iMac mit grossem 27" Retina Display her!
Das Display ist wirklich aussergewöhnlich, es hat eine unglaublich gute 5k Auflösung (5120 x 2880 Pixel) und die Darstellung aller Objekte auf dem Bildschirm ist unglaublich scharf.
Es gilt hier auch das bereits im Artikel über den MacBook gesagte: diese - auch vom Design wunderschönen - Geräte werden für geringes Geld in den Kleinanzeigen-Gebrauchtmärkten zahlreich angeboten (momentan Anfang 2026 zwischen 200 und 300 € . Es gibt auch Anleitungen für das Entfernen aller Komponenten, so dass am Ende nur das Display mit den Lautsprechern übrig bleibt, welches über eine zusätzliche Elektronik als Bildschirm weiterverwendet werden kann.
Ich habe ein Modell mit i7 Prozessor (4 GHz), 24 GByte RAM, 1 TByte SSD Laufwerk und einer Radeon R9 M395 Grafikkarte mit 4 GByte RAM gefunden (Magic Mouse und ultraflaches Keyboard sind i.d.R. mit dabei), welches sich nach den ersten Tests als mehr als ausreichend schnell herausgestellt hat und welches in den CPU-Tests immer noch als "exzellent" abschneidet!
D.h. für mich hat es keinen Sinn gemacht das Gerät auszuschlachten und nur noch das Display weiter zu verwenden.
Die Lautsprecher klingen gut und haben auch genügend Bässe, auch eine Kamera mit Mikrophon ist eingebaut. Der Einschaltknopf ist links hinten und rechts hinten finden sich 3 USB-3 Anschlüsse, Kopfhörerausgang, SD-Card Slot plus Ethernet und Thunderbolt.
Mit der drahtlosen Tastatur und der drahtlosen Maus sieht es schon sehr design-isch aus.
Die Linux Installation
Zum Einsatz kam wieder das bewährte Mint Linux 22.3 (Cinnamon 64-bit), standardmässig wird dort der 6.14-er Linux Kernel installiert.
Mir war wichtig die gleiche Linux Distribution zu verwenden wie auf dem Mac Book Pro. Es sieht gut aus, man findet sich sofort zurecht und die Auswahl der Programme ist auch sehr gelungen.
LAN, WLAN, Kamera, Soundsystem haben sofort funktioniert.
Ein paar kleinere Nachbesserungen
An ein paar Stellen waren ein paar kleinere Eingriffe nötig.
Bluetooth
Hier gab es das Problem, dass sich die Bluetooth-Tastatur und die Bluetooth-Maus über Bluetooth nach dem Start nicht mit dem Rechner verbunden haben. D.h. man konnte sich nicht am Gerät anmelden und musste die Tastatur über ein USB-Kabel verbinden und eine Maus anschliessen und jedesmal dann die Bluetoothverwaltung "Blueman Manager" aufrufen und die Devices neu verbinden.
Geholfen hat u.a. die Zuweisung des Users in die bluetooth Gruppe plus die Installation der bluez tools:
sudo usermod -aG bluetooth $USER
sudo apt install firmware-b43-installer bluez bluez-tools
sudo modprobe -r btusb
sudo modprobe btusb
(Startprogramme: Über das Menu "Startprogramme" aufrufen und dort einen weiteren Eintrag hinzufügen, der nach 3 sec gestartet werden soll. Update: Das hat leider nicht funktioniert, da die Einträge in den "Startprogrammen" erst nach der Anmeldung ausgeführt werden.)
Abhilfe hat aber erst das gebracht: In die Datei /usr/lib/systemd/system/bluetooth.service musste dieser Eintrag ExecStartPost=/usr/local/bin/reset-bluetooth-usb.sh ergänzt und ein Shell-Script anlegt werden:
#!/bin/bashsleep 2usbreset $(lsusb | grep -i bluetooth | awk '{print $2 "/" $4}' | tr -d :)rfkill unblock bluetooth
Jetzt muss man nach dem Hochfahren nur noch kurz warten (ein paar Sekunden), bis Tastatur und Maus einsatzbereit sind bzw. bis man sich mit der Tastatur anmelden kann - vorausgesetzt man verwendet die Bluetooth Tastatur.
Falls man eine Tastatur mit Kabel verwendet müssen diese Änderungen nicht durchgeführt werden.
Booten
Das Booten und Herunterfahren haben relativ lange gedauert, deshalb wurde ein etwas älterer Linux Kernel "Linux 6.8.0-101-generic" installiert, was zu weniger Fehlermeldungen beim Booten geführt hat. Einfach in der Aktualisierungsverwaltung auf "Ansicht" und "Linux-Kernel" klicken, dort kann man weitere Kernels installieren. Beim Booten des Systems wird dann ein "grub" Menu sichtbar, wo der gewünschte Kernel ausgewählt wird. (Update: es funktioniert auch mit den aktuellen Linux Kerneln 6.17.0.20 sehr gut, d.h. man braucht hier gar nichts zu ändern.)
Die Vermutung ist, dass die lange Boot- und Shutdownzeit durch die Initialisierung der Grafikkarte verursacht wird.
Ausserdem wurde der "Splash screen" deaktiviert (das grüne Linux Symbol erscheint jetzt nicht mehr, sondern man sieht ein paar wenige Textausgaben, was das Herunterfahren etwas beschleunigt hat.
Zusätzlich habe ich bei den Energieeinstellungen den Suspend Mode deaktiviert.
Video
Seltsam war, dass im Browser YouTube Videos über die Grafikkarte angesehen werden konnten, allerdings konnten die Videos in Celluloid nicht richtig abgespielt werden, Das gleiche gilt für die Mediathek Streams in Hypnotix.
Es lag an einem fehlenden Kommando in den "Einstellungen": Celluloid hwdec=vdpau
Das gleiche muss auch in den Hypnotix Einstellungen eingetragen werden: hwdec=vdpau
Zuerst hatte ich versucht den Wayland Desktop bei der Anmeldung (vor Eingabe des Passworts) auszuwählen, was zwar auch geholfen hat, aber andere kleinere Probleme mit sich bringt (ist noch "experimental").
Java
Optional wurde ein ältere Java 11 Version installiert, weil damit die "Freemind" Mindmapping App läuft.
Hiermit kann man die Java Default Version fest einstellen:
sudo update-alternatives --config java
Das Ergebnis ist (ziemlich) perfekt
Die maximale Auflösung unter dieser Linux Version ist 3840 x 2160 (16:9) - das entspricht zwar nicht dem maximal möglichen, aber ist trotzdem beeindruckend: extrem scharf und fein auflösend.
Die Bootzeit ist mit 1,3 min etwas lang, was vermutlich an dem Einrichten der Radeon Grafikkarte liegt.
Wenn man sich in Hypnotix Live-Streams aus der Mediathek ansieht, steigt die CPU-Last nicht über 6 % (Temperatur liegt bei ca. 60 Grad).
Die Lüfter sind so leise, dass man sie nicht bemerkt wenn sie laufen.
Der Stromverbrauch liegt im Standby-Betrieb bei 6 W, im Betrieb geht er bis auf 80 W hoch.
Es fühlt sich alles sehr schnell an (Anmerkung: auf dem Gerät laufen keine Spiele und keine lokalen Large Language Models), die extrem flache Tastatur sieht sehr schick aus und hat einen guten Druckpunkt.
Was als neuer Apple User etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass man auf der Mausoberseite mit den Fingern nur leicht darüber streichen muss, um nach oben oder unten zu scrollen - manchmal geschieht das unabsichtlich.
Rechts- und Linksklick funktioniert problemlos, auch wenn man die Tasten dafür nicht sehen kann :-).
Der Schreibtisch sieht jetzt aufgeräumt aus und das Arbeiten mit einem solchen Gerät macht wirklich Spass. Auch Filme kann man sich auf diesem Display sehr gut ansehen.