Um es gleich vorwegzunehmen: es hat keine 20 Minuten gedauert bis Linux auf dem Notebook installiert war :-). Es ist für alle interessant, die sich von einem sehr grossen amerikanischen Software Hersteller unabhängig machen wollen.
Es gibt auch sehr viele gebrauchte Mac Books, die sind zwar schon über 10 Jahre alt, was nicht so sehr stört, da sie als Premium-Produkte sehr hochwertig hergestellt wurden und immer noch genügend Leistungsreserven besitzen.

Ich war erstaunt wie viele gebrauchte Mac Books angeboten werden. Das Problem bei älteren Geräten ist, dass man kein neues Mac OS mehr installieren kann und die Geräte somit unbrauchbar wären, wenn ... da nicht Linux wäre.

Das Mac Book

Für 140 € habe ich mir ein sehr gut erhaltenes Mac Book Pro 15" (A1398) mit dem hochauflösenden Retina Display besorgt. Das hat immer noch beeindruckende 2800 x 1800 Pixel ! Anscheinend war es ein Zweitgerät, denn es hat keine sichtbaren Schrammen, es besteht aus einem stabilen Alu-Gehäuse.

Die Notebooks mit Intel Prozessor sind besonders geeignet, da Linux sie von Anfang an gut unterstützt. Abzuraten ist von den M-Prozessoren, die sind zwar deutlich schneller und moderner, aber es gibt dafür nur eine spezielle Linux Distribution und die ist nicht ganz einfach zu installieren.

Mac Books sind wirklich schöne Geräte, die solide gebaut sind - es wäre nicht nachhaltig solche Geräte nach 10 Jahren zu entsorgen, die laufen noch viel länger.

Auf der Tastatur (mit Beleuchtung) schreibt es sich sehr gut, das Mousepad nutzt sich auch nicht so schnell ab und reagiert präzise. Dieses Modell enthält auch kein CD-ROM Laufwerk mehr, dafür hat es USB3- (!), HDMI- und Thunderbolt Schnittstellen, plus Kopfhörer-Buchse und SD-Card Adapter, Bluetooth und 5 GHz WLAN.
Ethernet gibt es nur über einen USB-Ethernet Adapter.

Der Akku hält auch noch mehrere Stunden. Hier muss man aufpassen, es gibt auch viele Geräte mit zu alten Akkus, entweder betreibt man sie nur am Netzteil oder tauscht sie aus - bei Fixit gibt es sehr gute Anleitungen dazu - Kosten ab 50 €.

Linux Installation

Mint Linux (https://www.linuxmint.com/documentation.php) wurde von mehreren Mac Book Umsteigern empfohlen, es setzt auf einer Ubuntu Distribution auf und ist relativ "schlank". Installiert wurde die aktuellste (Stand Anfang 2026) Mint Linux Distro 22.3 (Cinnamon Edition) mit einem relativ neuen Linux Kernel.

  • ISO Datei herunterladen und auf einen USB Stick kopieren
  • Noch einmal MacOS starten und die Festplatten Partition (Systemeinstellungen) so klein wie möglich machen (plus ein paar Megabyte freier Platz). Die MacOS Partition nicht (!) löschen. Dort liegen noch ein paar Systemtreiber, die noch benötigt werden und die man nicht so einfach im Internet bekommt.
  • Mit dem eingesteckten USB-Stick booten und die gleich nach dem Piep die "alt" Taste (es gibt 2 davon - z.B. die dritte von links) gedrückt halten und in das Live System booten.
  • Die Installation kann aus dem Live System gestartet werden, dazu auf das einzige Icon auf dem Desktop doppelklicken. Das hat bei mir nur 20 Minuten gedauert (mit einer 100MBit Leitung)! Rebooten.
  • "Treiberverwaltung" aufrufen und denn gleich angezeigten Broadcom Treiber für das WLAN nachinstallieren. Dann kann das WLAN in Betrieb genommen werden und man hat Internetverbindung. 

Applikationen

Das Look-and-Feel ist wirklich gut bei Mint Linux. Die Farben sind schön abgestimmt, man findet sich sofort zurecht und das System lässt sich sehr gut und flüssig bedienen.

Man braucht etwas Zeit um sich an die Tastatur zu gewöhnen, denn es gibt keine rechte Maustaste (mit 2 Fingern aufs Mousepad klicken), keine Delete-Taste ("fn"+"Backspace").

Jetzt können bei Bedarf weitere Apps installiert werden.

Neu für mich war die "Internetkonten"-App: das ist so ähnlich wie bei einem Android Handy - hier werden die Konto/Account Informationen zentral gepflegt. Bei mir das Nextcloud Konto, damit kann die "Kalender"-App und die "Kontakte"-App (muss nachinstalliert werden) auf die Nextcloud Daten zugreifen.

Der Nextcloud Desktop Client darf nicht fehlen, damit hat man von jedem Gerät (Handy, Linux, Win, MacOS) Zugriff auf seine wichtigen Dateien.

Es gibt einen sehr minimalistischen Mail Client "Geary", der sehr einfach zu bedienen zu ist. Man kann auf der Status Leiste viele hilfreiche Mini-Apps hinzufügen (farbige Prozessorauslastung und Temperatur). Die Kontaktdaten nimmt sich Geary aus der Kontakte App ("sudo apt install gnome-contacts").

Ebenso wird die pattformübergreifend erhältliche KeePassXC App installiert. Statt Firefox verwende ich lieber den Chromium Browser, der sich auch sehr flott bedienen lässt.

Probleme - offene Punkte

Aber es gab auch ein paar kleinere Probleme, die ich nicht unerwähnt lassen möchte:

Broadcom WLAN Adapter

Oben wurde beschrieben, dass man relativ einfach den WLAN Treiber nachinstallieren kann.

ACPI Interrupts

ACPI (Advanced Configuration and Power Interface) hat mit dem Power Management auf dem Gerät zu tun und Apple hat einigen Aufwand in die Implementierung gesteckt, denn der Notebook soll ja leistungsstark sein, eine lange Akku Laufzeit besitzen, im Standby kaum Leistung verbrauchen und dabei soll er nicht warm werden bzw. die beiden Lüfter sollen nur im Ausnahmefall laufen.

Nach dem Einschalten und dem Anmelden fällt auf, dass ein Prozessor immer mit 60-70% Last läuft, was dazu führt, dass der Akku schnell leer wird.

Wie kann man Abhilfe schaffen? ChatGPT empfiehlt auf einen älteren Linux Kernel zu wechseln: installiert wurde ein Kernel 6.14, man soll auf 6.1. zurückgehen, was aber nicht so leicht möglich ist, weil man dazu eine Vorgänger Mint Linux Distro installieren müsste.

Das klingt nach Aufwand, allerdings ist es so, dass der Rechner nur einmal in den Suspend-Zustand gehen muss, dann funktioniert alles (die CPU Last ist bei 2-3% und die Prozessortemperatur bei unter 50%)!

Webcam

Die Kamera wird vom Linux Kernel nicht unterstützt (Broadcom 720p FaceTime HD Camera). Es gibt 2 Hilfsprogramme, die die Firmware extrahieren (https://github.com/patjak/facetimehd-firmware) und den Treiber erstellen (https://github.com/patjak/bcwc_pcie/wiki).
Im Systemlog (dmesg) erscheint weiterhin ein Fehler, der darauf hinweist, dass der Kameratreiber nicht geladen werden konnte (facetimehd 0000:03:00.0: probe with driver facetimehd failed with error -5).

D.h. momentan - solange bis der Treiber an die aktuelle Linux Version angepasst wird - muss man ohne Kamera auskommen, bzw. eine externe USB-Kamera verwenden.

Akku laden

Um die Lebensdauer des Akkus nicht weiter zu verkürzen, wäre es gut, wenn man ihn zwischen 20% und 80% Ladekapazität hält. Es wäre gut, wenn es ein kleines Tool gäbe, welches das übernimmt. Es gibt zwar viele Akku-Monitoring Tools, aber keines, das z.B. bei 80% Ladekapazität nicht weiter lädt.

Videos

Bei Video-Wiedergabe steigt die Prozessorlast etwas an und die Lüfter können zu laufen beginnen. In den Spezifikationen halten die Intel i7 Prozessoren 105 Grad aus und haben eine Schutzabschaltung eingebaut, so warm wird das Gerät nicht. Bei (HD) Video-Wiedergabe in Chromium kann die Temperatur auf max. 80 Grad ansteigen und die Lüfter starten dann.
Bei einem mpv Video, das mit Celluloid über die DVI Schnittstelle auf einem Fernseher ausgegeben wird, stieg die Temperatur auf max. 70 Grad.

Aber alles in allem macht das Arbeiten mit diesem Notebook sehr viel Spass und ich kann nur jedem empfehlen, sich diese älteren Mac Books genauer anzuschauen und ihnen ein "zweites Leben" unter Linux zu geben!

 

Clemens Kraus (Version: 11.12.2025) · Feedback · Impressum · Datenschutz